Orgastrike

Liebe Piraten,

am Donnerstag Abend habe ich bis 4:00 Uhr morgens die Tweets unter #Orgastreik gelesen und habe mir die Gespräche in Mumble Brandenburg (teilweise inkognito) angehört.

Schon die ganze Woche habe ich im Rahmen von #Bombergate dasselbe getan:

Tweets gelesen, Menschen zugehört, mit Menschen gesprochen. Ich habe telefoniert, gemumbelt, einige persönlich aufgesucht. Ich habe für meine Verhätnisse sehr wenig geschlafen und auch meine Nahrungsaufnahme etwas vernachlässigt.

Ich war ich gestern (Feitag) emotional und physisch erschöpft und brauchte eine Auszeit. Das sage ich nicht weil ich mir euer Mitgefühl erhoffe, sondern um zu verdeutlichen, dass ich euch und die Probleme dieser Partei wirklich ernst nehme.

In den letzten 24 Stunden habe ich sehr lange und intensiv darüber nachgedacht,  wie ich mich zu dieser ganzen Aktion äußern soll. Dass ich mich äußern will und muss steht außer Frage. Der Orgastreik war eine extreme Maßnahme. Um sie zu bewerten zu können muss ich sie für mich in zwei Ebenen betrachten:

Zum einen habe ich als Mitglied des Bundesvorstands das Problem, dass ein Haufen Menschen, denen ich vertraue bzw. vertrauen muss, in der Lage ist diese Partei einfach mal so handlungsunfähig zu machen.  Das macht den Bundesvorstand erpressbar.  Das ärgert mich.

Auf der anderen Seite sehe ich, dass dieser Personenkreis seit jeher unter Beweis stellt, dass er absolut zuverlässig ist. Das sind Menschen die – wie viele andere auch – Zeit, Geld, Nerven und jede Menge Herzblut in diese Partei gesteckt haben. Menschen die seit Jahren ihre bestmögliche Arbeit leisten und denen wir als Partei immer vertrauen konnten.

Ich sehe, dass sie trotz ihrer extremen Aktion verantwortungsbewusst und vorausschauend agiert haben, in dem sie dem BuVO zB. VOR der Abschaltung informiert haben, die Pads nach Gesprächen wieder online gestellt und sich trotz herber Kritik der Öffentlichkeit gestellt haben. Nicht jeder hat den Mut offen zu seiner Meinung und zu seinen Aktionen zu stehen!

In erster Linie würde ich mir aber wünschen, dass alle Mitglieder der Partei einfach einmal ganz kurz innehalten. Macht eine Pause. Schaltet Twitter ab, macht den Mailclient zu, schließt das Pad und atmet einmal kurz durch. Überlegt bitte, weshalb ihr in dieser Partei seid.

Ihr alle habt eine Motivation euch diesen Scheiß hier anzutun. Ihr alle habt eine Vision, ein Ideal, ein Ziel. Bitte macht euch das klar. Diese Ziele lassen sich nur erreichen und verwirklichen, wenn wir GEMEINSAM handeln und zusammen halten.

Jetzt drastische und harte Strafen für die Initiatoren des Streiks zu fordern kann man machen. Es wurden ja bereits von $Personen PAVs und juristische Maßnahmen angekündigt. Jeder, der so etwas fordert hat aber meiner Meinung nicht verstanden worum es den Streikenden geht und was das Problem dieser Partei ist.

Die Reaktionen auf diesen Streik haben m.E. ganz deutlich gezeigt was hier schief läuft:

Ich habe einen Tweet gesehen, in dem die Streikenden mit Adolf Eichmann verglichen wurden… Der habe ja auch nur verwaltet.

Partei Linke erklären Streik zu Machtmissbrauch.

Die Drohung „Ich weiß wo du wohnst“ und das Androhen von Gewalt ist völlig inakzeptabel, ganz egal wer diese Drohung ausspricht oder gegen wen sich diese Drohung richtet.

Wenn ihr all diese Energie, die ihr für 140-Zeichen Diskussionen, geflame und gehate dafür einsetzen würdet, FÜR diese PARTEI zu arbeiten und nicht GEGEN MENSCHEN, dann sehe ich Hoffnung. Arbeit gibt es wirklich genug! Politisch UND verwaltungstechnisch!

Ja, der #Orgastreik tat weh. Die Initiatoren sind sich dessen bewusst. Bedenkt, in welcher emotionalen Notlage sie sich befinden müssen, wenn sie zu solch einem drastischen Mittel greifen!

Ich bewundere den Mut dieser Menschen und spreche ihnen meinen größten Respekt aus!

Was den „Richtungsstreit“ betrifft: Die Richtung dieser Partei ist ihrer Satzung und ihrem Programm zu entnehmen. Wenn ihr euch damit nicht identifizieren könnt, dann ändert sie mit den Tools die euch diese Partei zur Verfügung stellt und in einem fairen politischen Diskurs.

Dabei kann euch der BuVo aber nur organisatorisch helfen. Wir können euch nicht sagen, welchen Weg ihr in Zukunft nehmen sollt, weil wir das vertreten, was IHR, also die Basis,  entscheidet.

Abschließend noch eine Anmerkung:

Ich werde für den Rest des Wochenendes auch weiterhin #twoff bleiben und freue mich, wenn ihr euch mir anschließen wollt. Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen gegen den 140-Zeichen-Diskurs und hin zu mehr Stille und persönlichen Gesprächen!

12 Gedanken zu „Orgastrike

  1. Danke für deine Herangehensweise, deinen Versuch, die Neutralität zu wahren, deine Mitarbeit. Ich habe den #Orgastreik nicht voll mitbekommen, weil ich mich ab und zu, auch aus dem 140Zeichen Dienst, zurückziehe. (und das ist echt erholsam)
    Ich Stimme deinen Aussagen und Empfehlungen zu. Als eine wichtige Aussage empfinde ich, das wenn uns unser Parteiprogramm nicht mehr gefällt, dieses zu ändern, es anzupassen. Die Piraten begreife ich als eine „überparteiische“ Partei im Sinne, nicht rechts, nicht links, nicht Mitte, sondern freiheitlich Themenbezogen.
    In diesem Sinne wünsche ich Zusammenarbeit.
    mfg , Thomas

  2. Hallo

    Ein schöner Text, ergänzend füge ich hinzu:

    Dass die Piraten ohne Schubläden gegründet wurden. Die Piraten waren politisch eher Neutral, wenn man von einer Richtung sprechen konnte, dann höchsten liberaldemokratisch humanistisch.
    Am Anfang gab es kein BGE, dann kam die Idee des BGE hinzu, und hier kamen vermutlich die linken Strömungen hinzu. Ich vermute, wo es linke gibt, gibt es auch „rechte“ die die linken bekämpfen möchten, und andersrum.
    Ich verstehe die Piraten (ich war von 2007 bis 2009 als Freibeuter dabei und bin bis heute Pirat) heute als Sozialliberal*.
    Die Piraten waren schon immer liberal (denk selbst, vertrau keinem Plakat, etc.)
    Nach meinem politischen Reifeprozess ist für mich ein BGE nicht per se links, sondern ist sehr wohl liberal >Ansteigender Wohlstand der Ärmsten sei für die marktförmige Wirtschaft wachstumsoptimal und sichere so die individuelle Unabhängigkeit.< (kommt aus dem Wiki Artikel).

    Wenn sich die „linken“ darauf einigen könnten, das wir liberal sein möchten, und „uns“ arbeiten lassen, und sich doch eher anderen Parteien zuwenden, oder eine Partei gründen, wenn Ihnen die linken Parteien nicht gefallen. Dann wäre ich sehr zuversichtlich, dass wir ohne Grabenkämpfe etwas wuppen könnten.
    Mit Grabenkämpfen aber werden wir Zeit und Geld verbrennen, und auch kein „gutes Bild“ nach außen tragen.

    Dann haben wir bei den Piraten noch einen großen Flügel, das sind die Feministinnen.
    Jetzt bitte nicht gleich falsch verstehen und Zeter und mordio schreien.
    Dieser Kreis möchte einen gegenderten Umgangston bei den Piraten.
    Ich finde es gut und wichtig, dass alle Personen bei den Piraten nicht unterdrückt werden.
    Die Piraten wurden gegründet, und es wurde vereinbart, dass alle Piraten heißen, um Unterscheidungen auszuschließen.
    Wir wollten keine Unterscheidungen, wer ist Mann wer ist Frau, für uns war das unwichtig.
    Für mich ist das unwichtig, ich arbeite mit beiden gleich gut zusammen.
    Es gibt unter Frauen Menschen die doof sind und es gibt unter Männern Menschen die doof sind.

    Jetzt kommt für mich was ganz wichtiges, was Ihr (der Personenkreis der Feministen) nicht versteht.
    Quoten sind für Euch schädlich. Frauen kommen auf vordere Plätze, zum Beispiel bei einer Vorstandswahl, nur weil diese eine Frau ist, und nicht wegen Ihrer Qualifikation.

    Ich möchte diese Grabenkämpfe nicht, ich möchte nicht Sätze lesen, wie:
    „Der Salzstreuer schließt natürlich auch die Salzstreuerin mit ein.
    Nein. Es ist eher so, dass der Salzstreuer und die Pfeffermühle nebeneinander stehen. Man kann Ungleiches nicht gleich machen – auch nicht durch Vergewaltigung der Sprache.“

    Für mich und ganz viele sind alle Piraten gleich, egal ob Mann, Frau, Transsexuell oder Eichhörnchen.
    Schafft nicht ein Problem, was es nicht gibt.

    Ein letztes Problem, was ich sehe ist Twitter. Twitter ist wie ein Krebsgeschwür, was uns auffrisst.
    Es ist mal schnell was versendet, was man beim email Schreiben eben nicht machen würde. Beim mailschreiben ist mehr Text vorhanden, und dann schaut man nochmals auf das geschriebene Wort, und ändert das eine oder andere.
    Hier wünsche ich mir einen besonneneren Umgang mit Twitter.

    Was man nicht vornherein lösen kann, sind das gestörte Personen zu den Piraten kommen.
    „Gestörte Personen“ müssen durch die Basis entfernt werden (Bund, Land, KV oder Mailinglisten).
    Wie genau, kann und möchte ich hier nicht ausführen.

    Wollen die linken, die rechten, die Feministen eine Piratenpartei, nach dem Bild einer Sozialliberalen Partei, (es gibt genug linke Partein, aber keine liberalen) dann tut etwas dafür. Tretet aus, oder tretet für den Bürger an, dafür mache ich es!
    Ich tu das nicht für mich, ich mache die politische Arbeit für die Bürger dieses Landes!

    Gruß Boris

    http://de.wikipedia.org/wiki/Liberalismus#Sozialer_Liberalismus

  3. Danke Christian,
    das ist ein Wort. Tut gut zu lesen, wie Du um die Sache gerungen hast. Auf ein Neues in diesem Sinne! Es gibt genug zu tun.

  4. nach dem Genderfilter nun wieder ein „Warn“streik – was kommt als nächstes. Und mit einer solchen IT wollen wir uns gegen Politiksysteme stellen, die ihre Mitglieder/Bürger durch Regulierungen im Netz maßregeln wollen?
    Das geht gar nicht. Diese redlichen Warner müssen weg!

  5. Hallo,
    das Problem ist aber dass du trotz deiner sachlichen Herangehensweise,
    ausser Acht lässt das hier massiv Menschen angegangen werden.
    Anscheinend von jeder Seite, aber die „Orga“ meint sie wäre unabhängig und neutral.
    Oder jede Gruppe denkt sie wäre neutral. Am Ende läuft dein Text leider auf die Linken sind alle doof und schuld raus. Deeskalation sieht anders aus. Bitte versucht zumindest zu verstehen, dass zumindest für mich die Aktion die Server umzuleiten die radikalste war, die von irgendeiner Seite gemacht worden ist. Quasi „die Liberalen zeigen die Fratze die sie den Linken immer vorwerfen.“
    Selbstverständnis Liberal.

  6. Naja, auch nur eine weitere Verharmlosung des Orgastreiks.

    Fakt ist, dass man diesen Leuten nicht mehr vertrauen kann, denn sie haben das Vertrauen gebrochen. Daran ändert nichts, dass sie angeblich den BuVo vorher informiert haben.

    User sind nicht so treudoof, wie Ihr glaubt. Das Vertrauen kann man nicht so wiederherstellen.

    Hier wurde Macht ausgeübt. Von denen, die sie besaßen. Ich bin mir sicher, dass das weitere – auch technische – Folgen haben wird.

  7. Danke, tut gut das zu lesen. Wäre nur schön, wenn der ganze BuVo endlich anfangen würde sich einzumischen und zu moderieren, weil genau das ist es was die Partei jetzt braucht: Leute die mit Ruhe und Gelassenheit dafür sorgen, dass aus dem Streit ein konstruktiver Prozess wird.

    Nur in einem Punkt möchte ich widersprechen: Wer sich mit unserer Satzung nicht identifizieren kann, der soll nicht versuchen sie zu ändern, sondern sich eine Partei suchen die zu ihm passt. Wir sind Piraten und die meisten wollen das auch bleiben.

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